DIE CHRONIKEN VON TILMUN Buchrezension

von Thorsten Walch

 

Personen, die sich für den zugegeben spekulativen, aber nichtsdestotrotz hochinteressanten Themenbereich der Paläo-SETI-Thesen - in früheren Jahren auch gern und oft als „Prä-Astronautik“ bezeichnet - interessieren, stehen mittlerweile genug Bücher zur Verfügung, um damit gleich mehrere Bibliotheken zu füllen.

 

​Neben den „Klassikern“ wie den Werken des Schweizers Erich von Däniken oder des russischstämmigen Amerikaners Zecharia Sitchin gibt es eine Vielzahl von Autoren, darunter Lars A. Fischinger oder Roland Roth, die in ihren Büchern (und seit einiger Zeit auch Ebooks) Fragen wie der nachgehen, ob die Erde denn wirklich in vorgeschichtlichen Zeiten Besuch von hochentwickelten Außerirdischen erhalten habe, die von den damals primitiven Menschen aufgrund ihrer Überlegenheit fälschlicherweise als „Götter“ angesehen wurden und den Erstgenannten in ihrer Entwicklung weiterhalfen und eventuell von vorneherein gar auch an deren eigener Erschaffung beteiligt gewesen sein könnten.

 

Doch neben den besagten Sachbüchern gibt es immer wieder auch einmal Romane, die dergleichen Thesen in eine spannende Handlung einflechten – und eine gleich mehrteilige Romanreihe erscheint seit einiger Zeit nacheinander – die Rede ist von DIE CHRONIKEN VON TILMUN aus der Feder von Alexander Knörr und, basierend auf dessen Idee und Konzept, seiner Autorenkollegin Daniela Mattes.

Alexander Knörr ist am Thema Interessierten bereits bestens als Sachbuchautor bekannt, verfasste er doch Bücher wie HAGAR QIM: AUF DEN SPUREN EINES VERSUNKENEN KONTINENTS, UFOS IM 21. JAHRHUNDERT sowie Ebooks wie beispielsweise PYRAMIDEN IM NEBEL oder UFOS IN CHINA UND TIBET. Ferner ist Alexander Knörr der 1. Vorsitzende von DEGUFO, der Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung e.V. mit Sitz im niederrheinischen Xanten, die das ebenso faszinierende wie umstrittene Phänomen auf wissenschaftliche Art und Weise erforscht.

Daniela Mattes, die den zweiten Band der (bisherigen) Trilogie geschrieben hat, ist ebenfalls bereits auf dem entsprechenden Sachbuch-Sektor hervorgetreten, schrieb aber auch thematisch passende Romane wie STEINSPUREN: (EDEL)STEINE IN KUNST, KULTUR UND MYTHOS (Sachbuch) oder DER LETZTE ATLANTER (Roman).

Für Alexander Knörr stellen die CHRONIKEN VON TILMUN das Romandebüt dar.

 

Bisher sind drei Bände der Reihe erschienen, ein vierter Band wird durch das offene Ende und das klassische „Fortsetzung folgt...“ am Ende des dritten Romans bereits angekündigt. Die Titel der bisherigen Romane lauten:

 

QUANTENSPRUNG 2012 – DAS JAHR, IN DEM WIR GEHOLT WERDEN

DIE KINDER VON EUREKA

DAS GEHEIMNIS DER PELASGER

 

Veröffentlicht wurden die Romane im Wasunger TWILIGHT LINE-Verlag und sind im gutsortierten Buchhandel, bei Amazon (wo auch die Ebook-Ausgaben erhältlich sind) und natürlich bei Alexander Knörr persönlich zum Preis von ca. 10 € pro Band zu bekommen.

 

Worum geht es denn nun in DIE CHRONIKEN VON TILMUN?

Werfen wir also nun einen Blick auf die Handlung:

 

Sommer 2012: Angesichts der angeblichen Maya-Prophezeiung vom drohenden Weltuntergang im kommenden Dezember macht eine Schreckensnachricht die Runde in der ganzen Welt: Ein riesiger Meteorit, den die Wissenschaftler bisher noch nicht entdeckt haben, fliegt auf die Erde zu und wird diese in 295 Tagen völlig unbewohnbar machen. Fieberhaft sucht man nach einer Möglichkeit, die drohende Apokalypse zu verhindern, aber es sieht nicht danach aus, als ob dies mit den gegenwärtigen technischen Möglichkeiten zu schaffen sei. Verschiedene Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Beruf und Herkunft wie der Hamburger Streifenpolizist Martin, der Darmstädter ESA-Wissenschaftler Holger oder der in Guatemala forschende, britische Archäologe Derek, der gerade eine bahnbrechende Entdeckung gemacht hat, bereiten sich auf das nahende Ende vor. Da geschieht das schier Unglaubliche: Eine Flotte von zwölf riesigen Raumschiffen nähert sich der Erde, und wenig später macht die Menschheit die Bekanntschaft des humanoiden Volkes der Nukarib, die aus einem entlegenen Sonnensystem (Tilmun) stammen und den Bewohnern der Erde Beistand leisten wollen. Enkidu, der Anführer der außerirdischen Delegation, erklärt vor der UN-Vollversammlung, dass sein bereits seit Jahrtausenden Raumfahrt betreibendes Volk die Menschen schon lange beobachtet und eine Möglichkeit gefunden hat, den Tod der milliardenfachen Erdbevölkerung abzuwenden: Zwar können auch die Nukarib mit ihrer überlegenen Technologie den Meteoriten nicht vernichten, aber Enkidu erklärt, dass man die Menschen an Bord der gigantischen Raumschiffe auf einen Planeten namens EUREKA bringen werde, wo die Erdbevölkerung einen Neuanfang wagen kann. Die Pläne der Nukarib stoßen großteils auf begeisterte Zustimmung, doch eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Menschen, zu denen auch Martin, Holger und Derek gehören, sind skeptisch: Mittels einiger übersinnlich begabter Medien finden die aufkommenden Widerständler heraus, dass die Nukarib weit mehr zu verbergen scheinen als sie preiszugeben bereit sind. Nachdem die Nukarib die Menschheit dazu bedrängt haben, binnen kürzester Zeit eine zentrale Weltregierung zu bilden und einem Großteil der Menschen einen subkutanen Chip zu implantieren, überschlagen sich die Ereignisse: Der bedrohliche Meteorit erweist sich als Hologramm, das offensichtlich von den Nukarib selbst generiert wurde, und gleichzeitig verschwinden eineinhalb Milliarden Menschen von der Erde – sie wurden mittels der Transportertechnologie der Nukarib in deren Raumschiffe entführt, in Kälteschlaf versetzt und in der Tat zum Planeten EUREKA gebracht, wo sie eine böse Überraschung erleben...denn die Nukarib sind nicht auch nur ansatzweise die Wohltäter, die zu sein sie sich ausgegeben haben, und ihre Pläne mit den Menschen sind völlig andere als die, die sie gegenüber der neuen Weltregierung geäußert haben...

 

Kritik:

Hätte man mir persönlich die vorliegenden Romane ein Jahr früher in die Hand gegeben, dann hätte ich den 21. bzw. 22. Dezember 2012 (so ganz einig war man sich allerseits hier ja nicht...) möglicherweise mit weit größerem Unbehagen erwartet, als es der Fall gewesen ist.

 

Die Handlung der bisherigen drei Romane ist durchgehend spannend und hält gleich mehrere Überraschungen bereit. Selbstverständlich merkt man den CHRONIKEN VON TILMUN recht deutlich an, dass ihr Autor normalerweise im Sachbuch-Bereich tätig ist – dies jedoch auf eine sehr positive Art und Weise. Die Erzählweise ist recht gerafft, in angenehm leicht lesbarer und gut nachvollziehbarer Sprache gehalten und hält sich nicht mit unnötig scheinenden Details über die genauen Hintergründe, hundertprozentigen Schilderungen der Äußerlichkeiten der agierenden Figuren und ähnlichem auf, sondern schildert ganz auf die Handlung bezogen die fiktiven Ereignisse im Jahr 2012, wobei trotzdem die Charakterisierung der Hauptfiguren keineswegs zu kurz kommt. Für Insider gibt es eine Vielzahl an Gags rund um diese, da sich gleich mehrere bekannte Personen aus den ebengenannten Themenbereichen (unter anderem der Hauptautor selbst!) in der Handlung wiederfinden, die trotz veränderter Namen unschwer zu erkennen sein dürften und die sehr treffend dargestellt sind – ich verrate aus Gründen der Spannungserhaltung jetzt trotzdem nicht, um wen genau es sich dabei handelt, das sollen die geneigten Leser schon selbst herausfinden...

 

Dabei fließt freilich eine Menge an Fachwissen über Themen wie Paläo-SETI, UFO-Forschung und auch Archäologie in die Handlung ein, und als sehr positiv erweist sich, dass die Autoren immer wieder einmal „Informationsfenster“ in die Bücher gesetzt haben, denen man interessante Beschreibungen der Hintergründe der Handlung entnehmen kann – man erhält also nicht nur die interessante Geschichte selbst, sondern lernt das eine oder andere – dies gibt den Romanen bei alledem auch einen angenehmen Sachbuch-Aspekt und sichert den Lesespaß somit auch bei Personen, die nicht alle Bücher eines Erich von Däniken, Zecharia Sitchin, Roland Roth oder auch Alexander Knörr kennen.

 

Somit sind DIE CHRONIKEN VON TILMUN sehr unterhaltsam für gleich zwei Lesergruppen: Zum einen für Science Fiction- und Mystery-Fans, die gerne eine Geschichte der Marke „Was wäre, wenn...“ lesen möchten, und für Paläo-SETI- und UFO-Interessierte, die recht schnell das fundierte Hintergrundwissen der vorliegenden Romanreihe erkennen werden, was die kurzweilige Unterhaltung steigert.

Womit zum guten Schluss dann nur eine Frage übrig bleibt: Wann kommt der vierte Band heraus?

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© Alexander Knörr